„Was bedeutet es, frei geboren zu sein, aber nicht frei zu leben? Welchen Wert hat politische Freiheit, wenn sie nicht Mittel ist für moralische Freiheit? Ist es die Freiheit, Sklave zu sein, oder die Freiheit frei zu sein, auf die wir stolz sind?“ Henry David Thoreau, „Leben ohne Prinzipien“ Meine Freundin und ich laufen durch den Wald. Das ist mit Abstand das Beste, was dieser Tag zu bieten hat, den ich bis dahin sitzend im Büro verbracht hatte, heute unter einem massiven „Was mache ich hier eigentlich?“-Eindruck stehend. Klar gibt es auch viele andere Tage, aber heute habe ich das Gefühl, nicht nur Lebenszeit, sondern auch Energie zu verkaufen und zweifle stark daran, dabei einen guten Deal gemacht zu haben. Jedenfalls ist es ein sehr guter Tag, um durch den Wald zu laufen. Die Bewegung befreit mich von meinem Frust, bringt Distanz zwischen mich und diesen irgendwie unwürdigen Tag. Zwar lade ich meinen Ärger zunächst noch bei der Freundin ab, die diese Unart von ...
Ich heiße Johanna, war ein furchtbar unsportliches Kind und habe Englisch und Philosophie studiert. Mein Leben lang bin ich auf die eine oder andere Weise gerannt, doch seit ich 2008 tatsächlich mit dem Laufen begonnen habe, bin ich immer mehr auch angekommen. Um dieses Element in meinem Dasein, welches mir zugleich Fundament und Bewegung bedeutet, soll es hier gehen: das Laufen.